HAUS AT

Der Ort an dem wir planen durften grenzt an den „Großen Sand“, ein Naturschutzgebiet, das eine Qualität von kalkhaltigen Sandböden aufweist und in dem sich durch das herrschende trockene und warme Klima seltene Steppenpflanzen erhalten haben und die quartiersprägenden Kiefern erwachsen konnten. Das Haus AT befindet sich in einem Wohngebiet, welches an den Lennebergwald grenzt und um 1900 entstanden sein dürfte. Eine Reihe von Villen, als Einzeldenkmal ausgewiesen, zeugen davon.

Das Haus hat zwei Eingänge, die einen getrennten Zugang ermöglichen und erlauben würden, die Wohneinheiten unabhängig voneinander nutzen zu können. Der Eingangsraum verbindet die beiden Häuser zu einem 28 m langen und 6,20 breiten Baukörper, schafft Orientierung und den Zugang zu allen Geschossen. Nur in diesem Raum ist die gesamte Dimension des Gebäudes in voller Höhe erfahrbar. Ein schmaler Gang in Richtung des Küchen-, Ess- und Wohnbereiches macht das räumliche Prinzip des Gebäudes deutlich - minimal dimensionierte Gänge die sich mit Räumen der maximalen Ausdehnung abwechseln. Orte für die charakteristische Individualität und verschiedenen Bedürfnisse seiner Bewohnenden. Das aus Bogenbindern konstruierte Dach schafft weiter nutzbaren Raum und ist in zwei Bereiche geteilt, die den bewohnenden Personen zugeordnet sind und jeweils stirnseitig einen Außenraum aufweisen. Die Fuge zwischen den beiden Dächern bildet eine Dachterrasse als hochwertigen Außenraum, der sowohl nach Osten wie nach Westen orientiert ist. Ein vierter Außenraum in den Obergeschossen entsteht durch einen kleinen stählernen Balkon, der halbrund aus der Fassade in die Kiefernzweige des Gartens ragt.

Nachdem die Entwurfsplanung abgeschlossen war, brachten uns die BauherrInnen aus dem Urlaub eine Postkarte der Schifferkirche in Ahrenshoop von Hardt-Waltherr Hämer mit. Die vergleichbare Raumfigur hatte Sie in ihrer Entscheidung bestätigt. Ein guter Stern, der über dem Projekt stand und steht. Die charakteristische Schnittfigur des Hauses findet sich in den Öffnungen der Holzbekleidung im Eingangsbereich wieder, in denen die Gestalt des Baukörpers, maßstäblich verkleinert, den Blick nach innen oder außen rahmt. Neben den ins Raster gesetzten Fensteröffnungen mit möglichst tiefen Laibungen, gliedern außenliegende und festverglaste Belichtungs- sowie Blickbeziehungselemente mit Lüftungsflügeln aus Eichenholz die verputzten monolithischen Außenwände aus regionalem Porotonstein. Besonderer Wert wurde auf die Ausbildung und Detaillierung der Treppen gelegt. Über dem hölzernen, massiven Treppenblock im Erdgeschoss schwebt eine leichte aus Stahlblech gefaltete Treppe. Die Detailierung des Stahlbaus von der Faltung bis zur Schraube war darauf ausgelegt, dass diese nicht nur von oben, sondern vor allem auch von unten nach oben schauend, die Raumwirkung unterstützt. Die räumliche Komplexität des Treppenraumes wurde dazu in einem 1:20 Modell untersucht. Das Regenwasser der Dachflachen wird durch zwei gewinkelte Rechteckrohr-Konstruktionen in einem Abstand von 75 cm von der Fassade abgeführt. Durch die teilweise geschlitzten Stahlprofile und die offenen Ausläufe wird das Regenwasser sichtbar geführt, bevor es in der Zisterne verschwindet.

Die Details machen das Haus nicht nur als Ganzes erlebbar, sondern erlauben auch eine Erkundung mit einem anderen Blick, der im Einzelnen nach dem Ganzen sucht. Dies mit einem Anspruch, der das Beziehungssystem zwischen den Details, dem Einzelnen und der Erscheinung des Gebäudes als Ganzes in den Vordergrund zu stellen versucht.

Heinrich Lessing Architekten | Hauptstraße 17-19 | Gebäude Nr. 6317 | 55120 Mainz